Betreuungsbuch

Handreichung

Das Betreuungsbuch im Heimalltag, anders als in den Formen flexibler Betreuung, ist der Versuch im vielschichtigen Alltag, im Rahmen der Lebensbewältigung, den fachlichen Blick zu schulen, immer wieder auch mal auf Distanz zu gehen und Beobachtungen festzuhalten. Selbst dann, wenn dies erst gegen Abend geschieht, möglicherweise dann, wenn die Kinder im Bett sind, und ein wenig Ruhe im Hause eingekehrt ist, erlaubt diese Dokumentation den Rückblick und ermöglicht fachliche Distanz.

Im Rahmen ambulanter und flexibler Betreuungsarrangements hat es die Aufgabe möglichst unmittelbar nach den jeweiligen Kontakten, diese zu dokumentieren, um zum einen den Anschlusskontakt fließend zu gestalten (die flexible Betreuerin kann vor dem nächsten Kontakt sich noch mal vergewissern wie sie denn auseinandergegangen war) und zum anderen ermöglicht es einen eher diagnostischen Blick auf die zeitlich befristete Begegnung und Arbeit.

In beiden Fällen dient es dazu den professionellen Standard zu verdeutlichen, und sicherzustellen, dass die Arbeit transparenter und nachvollziehbarer wird. Weiterhin dienen diese Aufzeichnungen zu einem späteren Zeitpunkt der Erstellung von Verlaufs- und/oder Entwicklungsberichten.

Es sollte für jeden Fall/für jede Betreuung ein eigenständiges Buch oder eine eigenständige Rubrik geben. In dieser Rubrik sollen die vereinbarten Ziele festgehalten werden, so dass diese stetig vor Augen stehen. Gleichermaßen verhält es sich mit den Operationalisierungen der Ziele.

Neben den alltäglichen Beobachtungen und Besonderheiten sollen folgende Dinge festgehalten werden:

  • Beurlaubungen

  • Ferienaufenthalte – Klassenfahrten

  • besondere Anlässe (Konfirmation, Geburtstage, und dergleichen. mehr)

  • gesundheitliche Dinge

  • schulische Ereignisse

  • usw.

In nicht definierten Abständen sollen die Betreuer/innen//Erzieher/innen ihre Aufzeichnungen mit den Zielsetzungen vergleichen und ihre Gedanken hierzu (möglichst in anderer Farbe) notieren. Erst diese Reflexion ermöglicht es, wenn nötig, neue Handlungsperspektiven zu entwickeln. Dies haben erfahrene Pädagoginnen/Pädagogen auch vorher schon immer getan, aber implizit. Jetzt erst werden diese Handlungsschritte als etwas pädagogisches erlebt und verdeutlicht, erst hierdurch wird das fachliche Handeln erkennbar und die Erziehungsleistung als explizite pädagogische Überlegung hervorgehoben. Ein solcher Schritt bedeutet im ersten Moment ein Mehr an Arbeit, aber er ermöglicht auf Dauer einen höheren Grad an Zufriedenheit, weil das fachliche, berufliche Handeln erkennbarer wird.

Entlassungen

Entlassungen geschehen regelhaft und gehören zum Betreuungsverfahren. Sie sollen geplant und vorbereitet sein. Die Anschlussabsicherung soll gewährleistet sein. Um dies zu gewährleisten ist in einer Vorbereitungsphase ein abschließendes Fallgespräch (à s. Fallgespräche/Checkliste) zu führen, in dem alle anstehenden Inhalte und Fragen zu erörtern sind. Nach diesem Fall- und Fachgespräch ist das betroffene Kind/der Jugendliche einzubeziehen. Aus beiden Elementen (Fallgespräch und Betroffenengespräch) ist ein Abschlußbericht zu erstellen, der dem zuständigen Jugendamt fristgerecht zugeht.

Es ist darauf hinzuwirken, dass ein abschließendes Hilfeplanverfahren (à s. Hilfeplanungen), wenn irgend möglich als gemeinsames Gespräch, erfolgt. Hier können letzte Fragen und Hilfestellungen vereinbart und Übergänge fließend gestaltet werden.

Checkliste

  • Persönlich: Dem Kind; dem Jugendlichen; dem jungen Erwachsenen, der Familie wird ein Ansprechpartner benannt. Jeder soll bei Bedarf die Möglichkeit haben in der Einrichtung/beim Träger jemanden anzurufen oder aufzusuchen, um verbleibende Fragen oder neue Probleme zu besprechen und eine Beratung zu erhalten.

  • Der oder die Betreute/n sollen in gesicherte Verhältnisse entlassen werden. Eine Zukunftsperspektive sollte vorher entwickelt worden sein.

  • Es ist für eine freundliche Verabschiedung zu sorgen. Die/der Betreute soll sich von allen ihm wichtigen Personen verabschieden können.

  • Es sollen Absprachen bezüglich möglicher Kontakte jenseits des Betreuungszeitraumes geklärt werden. Adressen und Telefonnummern sollen ausgetauscht werden.

  • Es sollen Hilfen geklärt sein in Bezug auf den Transport der persönlichen Gegenstände.

  • Alle persönlichen Dinge (Dokumente wie Zeugnisse, Ausweise, Krankenkarte etc.; Taschengeld, u.a.) sollen übergeben und quittiert werden.

  • Formal: Ein Entlassungsschreiben mit genauem Datum, neuer Anschrift, Dank für gute Zusammenarbeit (falls dem so war), ist anzufertigen und an das zuständige Jugendamt zu senden.

Prüfung der Rechnungslegung hat zu erfolgen; Nachzahlungen sind einzufordern, Rückzahlungen umgehend zu erstatten, Reste von bewilligten und nicht verbrauchten Geldern sind ebenfalls zu erstatten.