Konzept des Stammhauses

Leistungsbeschreibung (I) der familienanalogen Wohnform mit vier Plätzen

Leitbild

Das Leitbild entnehmen Sie bitte dem Handbuch der Leistung & Qualität. Hier werden die Leistungen beschrieben (Inhalt, Umfang und Qualität; gem. § 78b SGB VIII), es beschreibt weiterhin die Grundsätze und Maßstäbe für die Bewertung der Qualität und es regelt deren Gewährleistung, also die Qualitätsentwicklung (Wir können auch nichts für einen solchen Terminus technicus, er hat sich in die Pädagogik eingeschlichen).

Leistungsart

§ 27 SGB VIII in Verbindung mit den §§ 34, 35a und 41 SGB VIII; in Ausnahmen auch die §§ 72, 39, 100 BSHG (hierzu sind jeweils Einzelvereinbarungen notwendig).

Leistungsziel und Auftrag

Der Auftrag und die Ziele werden gemeinsam mit allen Beteiligten, gemäß des jeweiligen individuellen Bedarfes entwickelt, festgelegt und vereinbart. Grundlage für diesen Prozess ist die Hilfeplanung, wie sie der § 36 SGB VIII regelt. Hierüber wird vom öffentlichen Träger der Jugendhilfe ein Protokoll erstellt, dies geht allen Beteiligten zu.

Im fortlaufenden Prozess wird dieser Hilfeplan regelhaft überprüft und fortgeschrieben. Die Verantwortung hierfür trägt der öffentliche Träger. Die Fortschreibung soll mit allen zu beteiligenden Menschen erfolgen (dem Kind, Jugendlichen, jungen Menschen, den Personensorgeberechtigten, einem verantwortlichen Pädagogen der Einrichtung). Über den Betreuungsverlauf werden regelmäßig Berichte verfasst, deren Inhalte in die Hilfeplanung mit einfließen.

Allgemeines Ziel der Maßnahme

Der § 34 SGB VIII regelt die Betreuungsformen über Tag und Nacht (Heimerziehung) und die sonstigen betreuten Wohnformen. Beide Formen sollen pädagogische und therapeutische Angebote mit einem Alltagsleben verbinden. Sie sollen insbesondere, entsprechend dem Alter der Kinder und Jugendlichen, sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen der Herkunftsfamilie

  1. eine Rückkehr in die Familie zu erreichen versuchen oder
  2. die Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten oder
  3. eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten und auf ein selbständiges Leben vorbereiten.

Dauer der Maßnahme

Die Vereinbarungen hierüber werden gemeinsam mit allen Beteiligten im Verfahren der Hilfeplanung getroffen.

Vor- und Nachbereitung

Das Aufnahmeverfahren und das Entlassungsverfahren haben wir gesondert beschrieben und verweisen an dieser Stelle auf das entsprechende Kapitel des Handbuches.

Zielgruppe

Mit dieser Maßnahme sprechen wir Kinder und Jugendliche an, aber auch junge Volljährige können unter Umständen in dieser Form noch richtig betreut sein. Nur im Einzelfall kann die Hilfeplanung eine solche Entscheidung treffen.

Das Michaelihaus ist der richtige Rahmen für Kinder und Jugendliche, die ein sehr kontinuierliches, verlässliches und intensives Betreuungsarrangement brauchen.

Inhalt der Leistung

Das Michaelihaus bietet unter einem Dach eine befristete Perspektive des Zusammenlebens. In ihm leben Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Betreuerinnen/Betreuern in einer kleinen überschaubaren familienanalogen Gruppe (4 Plätze). Diese Kontinuität ist auch in Urlaubs-, Krankheits-, und Fortbildungszeiten gesichert.

Fachliche Ansätze

Die fachlichen Ansätze resultieren aus der Ausbildungs- und Lebensgeschichte der Betreuer/innen und sie resultieren aus der Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche einen gelungenen Alltag benötigen. Gelungen ist der Alltag erst dann, wenn das jeweilige Kind/der jeweilige Jugendliche Erfolgserlebnisse haben kann (in Schule, Sport und Hobby), sein Selbstwertgefühl Wachstumschancen hat, die Rahmenbedingungen des alltäglichen Lebens ein Gerüst geben, welches Halt ermöglicht ohne einzuschränken, welches eingrenzt, aber Entwicklung ermöglicht. Wir betrachten das Zusammenleben unter einer systemischen Lupe, wissen aber wohl um das Problem der ungeklärten "Interpenetration" (Luhmann) verschiedener Systeme. Wir helfen uns über dieses theoretische Defizit hinweg, indem wir das Zusammenwirken der unterschiedlichen Familiensysteme unter phänomenologischer Perspektive betrachten. Wir beschauen uns die Wirkweisen im Einzelfall und versuchen mit Hilfe von Supervision ein Verständnis zu erarbeiten.

Pädagogische Regelleistungen

Wir verwiesen oben auf das zentrale Leistungsmerkmal der Alltagsbewältigung und der Alltagsgestaltung. Grundlagen hierfür sind

- altersentsprechende Wohnräume,

- verlässlich gestaltete und authentische Beziehungen,

- fachliche Begleitung in krisenhaften Lebenssituationen

- emphatisches Verstehen gepaart mit fachlicher Distanz

- Einbindung in das Gemeinwesen.

Zu den Merkmalen einer Alltagsstruktur, die Halt geben soll, gehören immer wiederkehrende Rhythmen, Aufgaben und Standardsituationen wie z.B.:

- Wecken, aufstehen, aber auch zu Bett bringen und schlafen gehen,

- große und kleine Alltagsprobleme annehmen und bewältigen,

- gemeinsame Mahlzeiten,

- achten auf Körperpflege und auf gesundheitsbewusste Lebensführung,

- üben lebenspraktischer Fertigkeiten,

- Stärken, aber auch Schwächen erkennen und fördern,

- Aktivitäten ermöglichen (handwerklich, hauswirtschaftlich, sportlich, kreativ musisch),

- Schule und Hausaufgaben (ggf. Nachhilfe),

- Berufsvorbereitung und Ausbildung,

- u. a. in..

Darüber hinaus erhalten die Kinder und Jugendlichen die individuellen Förderungen und Therapien (psychosozial, emotional, kognitiv, körperlich), die sie benötigen. Die Spannbreite reicht hier von der Logopädie über therapeutisches Reiten, hin zur Psychotherapie, zu schulischen Hilfen, Psychomotorik und dergleichen mehr. Diese Leistungen sind Zusatzleistungen und nicht Bestandteil des Regelangebotes. Zum Regelangebot gehört die Feststellung des Bedarfes. Wir bemühen uns im Einzelfall um die Kostenübernahme durch die Krankenkassen oder den Kostenträger der Maßnahme.

Ein solcher Alltag hat die Aufgabe Störungen, gleich welcher Art, und Leidenszustände der Kinder und Jugendlichen zu erfassen, so weit wie möglich zu lindern und/oder zu beheben. Die Unterstützung der Pädagogik erfolgt hier durch Anamnese, Fallverstehen (als Methode), Problemanalyse unter Hinzuziehung externer Fachkräfte.

Die schulische und berufliche Integration geschieht durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Schule und den jeweiligen Betrieben oder überbetrieblichen Stellen.

Elternarbeit

Die Eltern haben bei den Kindern einen hohen Stellenwert und sind stets psychisch präsent, darum ist die Arbeit mit den Eltern von besonderer Bedeutung. Dort, wo die Arbeit mit den Eltern als Personen nicht möglich ist, muss eine Elternarbeit mit den Kindern dennoch geleistet werden. Kinder müssen verstehen und akzeptieren lernen, warum sich ihre Eltern möglicherweise weit entfernt halten und sich nicht kümmern können. In jedem Fall ist diese Arbeit individuell zu gestalten.

Berichte

Alltagserlebnisse, Beobachtungen, pädagogische Interventionen, und dergleichen mehr werden in einem sogenannten Betreuungsbuch (eine Art Tagebuch) festgehalten. Diese Dokumentation hilft dem Fallverstehen und erleichtert die Dokumentation der Entwicklung in den entsprechenden Berichten.

Umfang der Leistung

Die Betreuung erfolgt über Tag und Nacht. Der Betreuungsschlüssel ergibt sich aus den Landesrichtlinien und der Entgeldvereinbarung. Jedes Kind verfügt in der Regel über ein eigenes Zimmer. Das Haus hat 11 Zimmer (durchschnittlich 12 qm), einen Wintergarten (20 qm), zwei Duschbäder, zwei Wannenbäder und ein zusätzliches Gäste WC, drei Eingänge und einen Kellerraum. Das Grundstück ist etwa 1.200 qm groß, verfügt über einen kleinen Nutzgarten mit freilaufenden Hasen (der eigentlich immer alles auffrisst), eine Werkstatt, einen Fahrradschuppen, einen kleinen Teich mit Goldfisch, Obstbäume, Blumen, Rasen und ein Schwimmbecken. Das alles wird bewacht von unserer vierbeinigen kalten nassen Hundeschnauze, namens Alice.

Personal

Petra und Jörg-Achim Schröder verfügen beide über eine langjährige pädagogische Erfahrung im Rahmen dieser Betreuungsmaßnahme. Petra Schröder ist Hauswirtschafterin, hat einen einjährigen Weiterbildungskurs zum erzieherischen Handeln im Heimalltag beim Institut für berufsbegleitende Aus- und Fortbildung (IBAF) in Rendsburg absolviert und arbeitet als Mitarbeiterin im erzieherischen Dienst seit 1979 bis heute (zunächst von '79 bis '93 beim Diakonischen Werk, danach von '93 bis '00 im Kinder- und Jugendhilfe-Verbund e.V.). Jörg-Achim Schröder ist staatl. anerk. Erzieher, Dipl.-Soz.Päd. und Supervisor (mit systemischem Blick & psychodramatischem Ansatz) arbeitet in der Heimerziehung seit 1977. Eine weitere externe Erzieherin zur Unterstützung und Entlastung, sowie eine Haushaltshilfe werden vorgehalten.

Wir sind dem Trägerverbund VSH e.V.1 angeschlossen und im Rahmen der Qualitätsentwicklung in die dortigen Qualitätszirkel eingebunden.

Darüber hinaus sind wir langjähriges Mitglied in der IGFH (Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen) und suchen dort den fachlichen Austausch. Wir sind seit vielen Jahren Mitglied im Berufsverband DBSH (Deutscher Berufsverband für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Heilpädagogik), daneben strebt Jörg-Achim Schröder derzeit die Mitgliedschaft in der DGSv (Deutsche Gesellschaft für Supervision) an.

Qualität

Die Beschreibung der Leistungen, der Struktur- und Prozessqualität wird in unserem Handbuch festgehalten. In enger Kooperation mit dem Trägerverbund wird diese, angepasst an dessen internes Qualitätsmanagement, ständig überprüft und fortlaufend weiterentwickelt. Zur Absicherung haben wir uns auf externe Audits (durchgeführt vom Verbundsystem), sowie auf Qualitätszirkel verständigt. Diese Qualitätszirkel haben eine Überprüfungs- und Korrekturfunktion.


Wir verwenden die heute gebräuchliche Form SGB VIII und nicht mehr die Bezeichnung KJHG,'1VSH e.V. heißt: Verbund Systemischer Hilfen e. V.