Handreichung für Entwicklungsberichte

Art und Weise, Aufbau (Gliederung) eines Entwicklungsberichtes richtet sich oftmals nach den Vorgaben des jeweiligen Jugendamtes/ASD. Viele Behörden haben zwischenzeitlich ihre eigenen Gliederungen entwickelt und bitten die Träger darum diese zu beachten und zu verwenden. Der Zeitraum wird im Hilfeplan festgelegt, er schwankt in der Praxis zwischen drei und zwölf Monaten. Dies ist sehr abhängig vom Betreuungsverlauf, vom Alter des Kindes/des Jugendlichen und von der Hilfeform. Grundlage des Entwicklungsberichtes sind die eigenen Erfahrungen der Betreuerin/Erzieherin, welche im Betreuungsbuch dokumentiert sind, außerdem sollte ein vorbereitendes Fall-/Kindergespräch geführt und dokumentiert werden. Wichtig ist uns die Ressourcenorientierung, die mögliche Defizite nicht verschweigt, aber derart benennt, dass Wachstumschancen erkennbar werden. Unsere Grundannahme ist, dass Leben Wachstum bedeutet. Damit wird klar, dass selbst bei geistigen Beeinträchtigungen/Behinderungen Entwicklung grundsätzlich möglich ist. Einschränkungen formulieren wir lediglich bei schweren psychiatrischen Krankheitsbildern.

Sollte kein Schema zum Entwurf eines Entwicklungsberichtes vorliegen, so sind folgende Vorüberlegungen notwendig:

  • Wen soll der Bericht erreichen, wer wird ihn lesen (Adressat)?

  • Auf welche Quellen kann ich zugreifen (Betreuungsbuch, Anamnesen, psychosoziale Diagnosen, alte Berichte aus eigener oder anderer Einrichtung, medizinische oder psychologische Diagnosen, usw.)?

  • Weiterhin ist es unerlässlich den alten Hilfeplan mit seinen Zielformulierungen zur Grundlage zu machen sowie die Operationalisierungen der Ziele zu betrachten, d.h. sich auf die Protokolle der Fallbesprechungen/Kinderbesprechungen zu stützen. Wir müssen davon ausgehen, dass die Ziele der Hilfeplanung weitgehend identisch sind mit den Zielen der Betreuten, sofern diese eingebunden waren und die Hilfeplanung ihre Aufgabe ernst genommen hat. Anders verhält es sich mit der Altersgruppe bis etwa 14 Jahren, weil diese in Bezug auf Zielsetzung nur bedingt beteiligt werden kann, wenngleich auch mit zunehmenden Alter zunehmend besser zu beteiligen ist. Es bleibt die Frage zu beantworten, was erreicht werden soll und kann.

Nach diesen Vorüberlegungen ist zu klären was wir denn beschreiben wollen. Hierzu sollen folgende Vorschläge dienen, die aber in ihrer Anwendung auf den jeweiligen Einzelfall bezogen werden müssen, d.h. auch, dass lange nicht alle benannten Punkte in jedem Fall abzuarbeiten sind.

  • Beginn der Hilfe-,

  • Problemlage (Kind/Jugendlicher/Familie), anamnestische Daten (Vorfelderhebungen)

  • Annahme der Hilfeform/der Lebenssituation durch das Kind; Annahme/Akzeptanz und Mitwirkung durch den Jugendlichen, aktive Mitwirkung/selbständige Arbeit des Heranwachsenden/der Familie;

  • Wie die Hilfeform strukturiert und organisiert ist, geht aus der Leistungsbeschreibung hervor, aber wie diese Inhalte angenommen werden, wie sie im Einzelfall wirken, welche Förderungen sie ermöglichen und was sie hemmen, kann nur erfahren, beobachtet und deskriptiv erfasst werden (Kausalitätsdebatte). Die Betreuer und/oder Erzieher sind nicht nur die Akteure, sondern auch die teilnehmenden Beobachter und haben beide Aspekte (Aktion und Beobachtung) in einem Betreuungsbuch festzuhalten.

  • Alle Wachstumsbeobachtungen beschreiben; Verhaltensbeobachtungen möglichst nicht mit einem diagnostischen Blick erfassen und dementsprechend beschreiben (wir Erzieher/Pädagogen sind einfühlende, aufmerksame fachliche Begleiter. Wir sind in das Leben der Kinder und Jugendlichen involviert und müssen uns immer wieder mühsam auf Distanz bringen (u.a. durch Supervision). Wir sind keine entfernten Diagnostiker, auch fehlt uns das Instrumentarium).

  • Es können körperliche Dinge beschrieben werden (nennenswerte Entwicklungen; Krankheiten; u.a.).

  • Der emotionale Bereich sollte beleuchtet werden (affektive Stimmungen; Gefühlswahrnehmung-, Gefühlsäußerungen, Stabilität und Schwankungen).

  • Der soziale Bereich ist wichtig: welche Personen spielen derzeit eine Rolle; wer sind die bedeutenden Anderen (diese müssen nicht in persona auftreten), Liebesfähigkeit in Bezug auf sich selbst und andere, Bindungsfähigkeit-, soziale Kompetenzen, Fürsorglichkeit; Übernahme von Verantwortung, u.a..

  • Leistungsbereich: Schule; BVJ, Ausbildung, Sport (Vereine), Tagesstruktur und Alltagsanforderungen; Hobbys, usw..

  • Gab es einen Betreuungswechsel, wenn ja, warum?

  • Gibt es besondere Entwicklungen, hervorzuhebende Fortschritte, neue Erkenntnisse bezüglich irgendwelcher Stärken?

  • Gibt es besondere Schwierigkeiten in der Betreuung? Wenn ja, so diese differenziert und versuchte mögliche Lösungsansätze beschreiben.

Wenn diese alles beschrieben wurde, so ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Dinge zu empfehlen. Diese ist dann im Hinblick auf die letzte Hilfeplanung und dort gesetzten Ziele zu bewerten. Abweichungen sind zu benennen und möglichst zu erklären. Anschließend sollten neue, angepasste Zielsetzungen vorgeschlagen werden.

Abschließend ist ein Ausblick, eine Prognose von Bedeutung. Die Berichterstatterin sollte eine persönliche realistische Einschätzung, bezüglich der Fortsetzung der Hilfe, möglicher Veränderungen und notwendiger Ergänzungen formulieren. Sie sollte die Möglichkeiten und die Grenzen benennen.