Was wir waren, was wir sind:

Der Träger Michaelihaus besteht seit 1979. Ursprünglich, in den Jahren bis 1993 war es eingebunden in ländliche Strukturen, war es eine Einrichtung mit sechs internen Plätzen, sowie zwei Außenbetreuungen (Betreutes Wohnen zur Verselbständigung) und lebte durch das Medium: Bauernhof. Eingebunden in richtige landwirtschaftliche Strukturen, bestimmt durch den Tagesablauf eines solchen Betriebes, eingebettet in den Rhythmus der Jahreszeiten war es durch das, was es äußerlich darstellte, inhaltlich determiniert. Diese Festlegung bestimmte selbstverständlich auch die gelebten und die pädagogischen Inhalte. Achtung vor dem Leben, vor der Natur und dem Anderen waren zwangsläufige Themen und Inhalte. Nach dieser Zeit, seit Sommer '93 bis heute gab es eine erste grundlegende Veränderung: Das Michaelihaus gab den landwirtschaftlichen Betrieb auf, verließ das Dorf und das Haus und siedelte über in die nahegelegene Kleinstadt Nortorf, gleichzeitig reduzierte es die Platzzahl auf zunächst nur noch drei, heute vier Plätze. Das neue Profil kennzeichnete sich dadurch aus, dass Familienanalogie und gelebte berufliche Normalität, im Sinne des Arbeitens außerhalb des Hauses (der quasi Pflegevater" geht nun zur Arbeit), im Vordergrund steht. Wir leben mit eigenen- und aufgenommenen Kindern gemeinsam als Ersatz/Familie auf Zeit. Auf Zeit gemeinsam leben kann heißen, hier groß und erwachsen zu werden und hat aber oftmals die Bedeutung von lediglich zwei/drei/vier Jahren gehabt. Wir wollen in erster Linie soviel Normalität wie möglich, d.h. das Haus soll ein Haus wie jedes andere sein, man soll nicht von außen ein Kinderheim erkennen; wir wollen eine gute Integration in das soziale Umfeld, die Kinder sollen nicht stigmatisiert werden; wir wollen gute Kontakte zu Vereinen und zu Schulen haben, um mit unseren Kindern durch offene Türen zu gehen.

Eine zweite grundlegende Veränderung fand im Jahre 2000 statt. Das Michaelihaus entwickelt sich weiter, ist nicht mehr ausschließlich Kleinstheim in familienanaloger Form, sondern bietet nun auch vermehrt ambulante Hilfen an. Auf Grund der berufsbiographischen Erfahrung des Leiters der letzten sieben Jahre, ist diese Veränderung nicht nur auf den ambulanten Bereich beschränkt, sondern fließen Element der Erlebnispädagogik mit ein, entwickeln sich interkulturelle Projekte, gibt es Auslandsmaßnahmen für deutsche Jugendliche ebenso, wie spezifische Maßnahmen für türkische und kurdische junge Menschen. Der Träger Michaelihaus ist inzwischen ein kleiner überschaubarer moderner Jugendhilfeträger mit differenzierten Angeboten und befindet sich auf dem Weg zu einem Dienstleistungsanbieter in Sachen Hilfen zur Erziehung und interkultureller Arbeit.